Knospenansatz oder Blattachsel: wo die Schere bei Rosen hingehört
Zwetschgen und Pflaumen bilden an kurzen, kräftigen Seitentrieben die Blütenknospen. Diese Triebe sind dünner als die steilen Wasserschosse und sitzen flacher am mehrjährigen Ast. Wer unsicher ist, schaut im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr nach: Runde, pralle Knospen sind Blüten, spitze sind Blätter. Solche Triebe bleiben stehen, alles darüber und darunter darf ausgelichtet werden. Ein häufiger Fehler ist, die Krone zu stark zu öffnen, sodass nur noch lange, nackte Äste übrig bleiben. Dann wächst der Baum im nächsten Jahr umso stärker ins Holz und trägt kaum.
Die richtige Stelle liegt immer am sogenannten Blattansatz unterhalb der verblühten Blüte. Man zählt vom Blütenkopf aus nach unten und sucht das erste voll ausgebildete, fünf- oder siebenzählige Blatt. Dieses Blatt sitzt an einem kräftigen Trieb und markiert den Punkt, an dem die Pflanze am ehesten neu austreibt. Ein- oder dreizählige Blätter weiter oben sind zu schwach und tragen kaum zur neuen Blüte bei. Wer dort schneidet, bekommt dünne, kurze Triebe, die schnell wieder verblühen.
Zuverlässig treiben nach radikalem Rückschnitt Sommerblüher aus, die ihre Knospen erst am einjährigen Holz bilden. Dazu zählen Hartriegel, Weigelie, Kolkwitzie, Bauernjasmin, Fingerstrauch und Sommerflieder. Sie können im Spätwinter bis auf 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden abgesetzt werden. Auch viele Laubgehölze mit starkem Wurzeldruck wie Hasel, Holunder, Weißdorn und Feldahorn verzeihen den Eingriff. Bei ihnen erscheinen im ersten Jahr kräftige Ruten, die im zweiten Jahr wieder Blüten und Früchte tragen.
Schräg oder gerade – und in welche Richtung Der Schnitt erfolgt etwa drei bis fünf Millimeter über diesem Blattansatz, und zwar schräg. Die Schräge verläuft vom Auge weg, also weg von der Knospe in der Blattachsel, damit Wasser über die Schnittfläche ablaufen kann und nicht direkt auf das Auge läuft. Die Schnittfläche zeigt nach außen, dorthin, wo der neue Trieb wachsen soll. Ein häufiger Fehler ist der Schnitt direkt auf das Auge oder zu dicht darüber: Dann vertrocknet die Knospe, und die Rose treibt seitlich oder gar nicht aus. Ein ebenso typischer Fehler ist ein zu langer Stummel. Bleibt ein Stück Trieb über dem Blatt stehen, stirbt es ab, wird braun und ist eine offene Eintrittspforte für Pilze.
Ein Sonderfall sind Rosen mit Hagebutten. Wer im Herbst die dekorativen Früchte behalten will, putzt ab Ende August nicht mehr aus. Dann bleibt der verblühte Stiel stehen, die Pflanze bildet Hagebutten, und der Rückschnitt wandert komplett in das Frühjahr. Für alle anderen gilt: Je konsequenter die verblühten Blüten bis zum Blattansatz entfernt werden, desto länger und kräftiger fällt die nächste Blütenwelle aus.
Der richtige Zeitpunkt liegt für die meisten verträglichen Arten zwischen Ende Februar und Mitte März, bevor der Austrieb beginnt. Ein Schnitt im Herbst ist ungünstig, weil die Schnittstellen über den Winter nicht verheilen und Frost eindringt. Bei starkem Befall mit Pilzen oder Schädlingen darf auch im Sommer eingekürzt werden, dann aber mit scharfem Werkzeug und glatten Schnitten. Ein typischer Fehler ist der zu tiefe Ansatz: Bleibt kein Auge am Stumpf, treibt nichts mehr aus. Ein weiterer Fehler ist der Schnitt in einem einzigen Jahr bei alten, geschwächten Gehölzen. Besser ist es, den Rückschnitt auf zwei Jahre zu verteilen.
Verblühte Rosen sehen unordentlich aus und kosten die Pflanze Kraft, wenn sie stehen bleiben. Wer regelmäßig ausputzt, bekommt nicht nur ein saubereres Bild, sondern auch mehr Nachblüten bis in den Herbst. Entscheidend ist dabei nicht die Frage, ob überhaupt geschnitten wird, sondern wo genau die Klinge angesetzt wird. Genau hier passieren die meisten Fehler: zu weit oben, zu weit unten oder schräg in die falsche Richtung.
Nach dem Eingriff braucht das Gehölz Unterstützung. Eine Gabe Kompost im Frühjahr fördert den Neuaustrieb, Staunässe und Trockenheit sind zu vermeiden. Bei starkem Neuaustrieb im ersten Sommer sollte man die Triebe nicht sofort wieder einkürzen, sonst entsteht ein dichtes Gestrüpp ohne Blüten. Wer auf den Stock setzt, sollte außerdem bedenken, dass der Strauch danach oft größer und breiter austreibt als zuvor. Ein Pflanzabstand, der vorher ausreichte, wird dann schnell zu eng.
Das Werkzeug muss scharf und sauber sein. Eine stumpfe Schere quetscht den Trieb, statt ihn zu trennen, und hinterlässt ausgefranste Wunden, die schlecht verheilen. Vor dem Einsatz lässt sich die Klinge mit Alkohol abwischen, besonders wenn zuvor eine kranke Pflanze geschnitten wurde. Geschnitten wird an einem trockenen Tag, damit die offene Stelle bis zum Abend abtrocknen kann. Auf Zugluft oder starke Mittagssonne kommt es nicht an, wohl aber auf trockenes Wetter.
Der beste Zeitpunkt ist unmittelbar nach der Blüte, etwa Ende Mai bis Mitte Juni. Dann bildet der Rhododendron bis zum Herbst neue Triebe, an deren Enden die Knospen für das nächste Jahr sitzen. Ein Schnitt im Spätsommer oder Herbst entfernt genau diese Knospen und kostet die Blüte des Folgejahres. Wer im Frühjahr vor der Blüte schneidet, sieht zwar sofort Blüten, schwächt aber den Austrieb.